Rechte und Pflichten

© Christian Flierl

Das Ausbildungsverhältnis wird mit einem Lehrvertrag schriftlich geregelt. Der Lehrvertrag ist ein Vertrag zwischen Ihnen beziehungsweise Ihren Eltern (wenn Sie noch nicht volljährig sind) und Ihrem künftigen Ausbildungsbetrieb. Im Lehrvertrag verpflichtet sich der Lehrbetrieb, Sie in Ihrem gewählten Beruf fachgemäss auszubilden. Und Sie verpflichten sich, zu diesem Zweck für die Lehrfirma zu arbeiten. Der Ausbildungsbetrieb verfasst den Lehrvertrag aufgrund einer national einheitlichen Vorlage (Standardformular).

Was steht im Lehrvertrag?

Ein Lehrvertrag ist ein befristeter Ausbildungs- und Arbeitsvertrag. Er muss zwingend schriftlich abgefasst werden und vor der Lehre von allen Parteien unterschrieben werden. Jeder Lehrvertrag regelt die Art und die Dauer der beruflichen Grundbildung, den Lohn, die Probezeit, die Arbeitszeit und die Ferien. Ein Lehrvertrag kann auch zusätzliche Bestimmungen enthalten, etwa zu Versicherungen, Unterkunft und Verpflegung oder zur Anschaffung von Werkzeugen. Für alle zwei-, drei- und vierjährigen Berufslehren gilt ein einheitlicher Lehrvertrag.

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Was darf nicht im Lehrvertag stehen?

Ihr Lehrvertrag darf keine Bestimmungen enthalten, die über das Lehrende hinauswirken und Sie in Ihrer beruflichen Tätigkeit nach beendeter Lehre beeinträchtigen (die Rekrutenschule inbegriffen). Der Betrieb darf Sie zum Beispiel nicht verpflichten, nach Abschluss der Ausbildungszeit noch zwei Jahre in der Firma zu bleiben. Stehen in Ihrem Vertrag trotzdem solche Regelungen, sind sie ungültig.

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Wer schliesst den Lehrvertrag ab?

Die Parteien, die den Lehrvertrag abschliessen und unterschreiben, sind:

  • die verantwortliche Person im Ausbildungsbetrieb
  • die Eltern oder Erziehungsberechtigten, falls der/die Lernende noch nicht 18 Jahre alt ist
  • der oder die Lernende

Nur Betriebe, die eine gültige Bildungsbewilligung für den entsprechenden Beruf haben, dürfen Lehrverträge abschliessen. Die zuständige Behörde im Kanton kontrolliert und genehmigt deshalb jeden Vertrag. Ist alles in Ordnung, erhalten alle Vertragsparteien ein genehmigtes Exemplar. Damit ist der Lehrvertrag rechtsgültig.

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Kann man den Lehrvertrag auflösen?

Um einen Lehrvertrag nach Ablauf der Probezeit aufzulösen, braucht es wichtige Gründe. Diese gesetzlich festgeschriebenen Gründe sind gegeben, wenn:

  • die Bildung in beruflicher Praxis ungenügend ist, die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt werden oder die Ausbildungspflicht verletzt wird,
  • die lernende Person nicht über die für die Bildung erforderlichen Voraussetzungen verfügt oder gefährdet ist,
  • die Bildung nicht oder nur unter wesentlich veränderten Verhältnissen zu Ende geführt werden kann.

Die gesetzlichen Grundlagen für die Auflösung eines Lehrvertrags stehen im Obligationenrecht (Art. 346, 337) und in der Berufsbildungsverordnung (Art. 11).

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Während der Probezeit

Die Dauer der Probezeit muss im Lehrvertrag festgehalten sein. Sie darf nicht weniger als einen Monat und nicht mehr als drei Monate betragen. Sowohl die Arbeitgeber als auch die Lernenden können während der Probezeit den Lehrvertrag jederzeit kündigen, auch ohne Angabe eines Grundes. Die Kündigungsfrist während der Probezeit beträgt 7 Tage.

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Bei Konkurs des Lehrbetriebs

Schliesst ein Ausbildungsbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen, sorgt die kantonale Behörde nach Möglichkeit dafür, dass die begonnene Lehre ordnungsgemäss in einem anderen Betrieb beendet werden kann.

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Beratung

Mitarbeitende der Lehraufsicht helfen gerne bei Fragen zum Lehrvertrag.

Weitere Informationen

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